David Lanius

Argumentieren in der Schule: Fächerübergreifende Perspektiven

Das Netzwerk „Argumentieren in der Schule“ richtet auch im Rahmen seines driiten Arbeitstreffens einen öffentlichen Workshop aus, der unter dem Titel „Fachdidaktik des Argumentierens: Fächerübergreifende Perspektiven“ am 19. und 20. September 2022 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz stattfindet.

Das Formulieren, Analysieren und Bewerten von Argumenten steht als Kernkompetenz freier und kritischer Bürger*innen zurecht im Zentrum der Bildungsziele von Universitäten und Schulen. Diese Kompetenzen haben einen wesentlichen Anteil an dem im „Dresdener Konsens“ formulierten Ziel der Stärkung einer ganzheitlich verstandenen Urteilskraft. Die Philosophie steht dabei in einer besonderen Verantwortung, solche argumentativen Kompetenzen zu fördern, da sie die systematische kritische Reflexion des Begründens und Argumentierens, die Argumentationstheorie, beinhaltet. Doch zugleich ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Fächern und Fachdidaktiken erforderlich, um das Argumentieren in der Schule breit und nachhaltig zu stärken.

Programm

Der anstehende Workshop wird ausgehend vom Philosophie- und Ethikunterricht das Argumentieren als ein fächerübergreifendes Kompetenz- und Themenfeld in den Fokus nehmen. In zwei Keynote-Vorträgen werden Prof. Dr. Sara Rezat (Paderborn) Perspektiven aus der Fachdidaktik des Deutschunterrichts und Prof. Dr. Andreas Petrik (Halle) Perspektiven aus der Politikdidaktik einbringen. Der Workshop richtet sich an alle, die sich für das Argumentieren in der Schule interessieren, von Lehrpersonen an Schulen bis zu Lehrenden und Forschenden in der Fachdidaktik oder der Argumentationstheorie.

Montag, 19. September 2022

  • ab 14:30: Informelles Zusammenkommen
  • 15:00-16:00: Anne Burkard
    Ein Fortbildungskonzept mit Begleitforschung zur Förderung argumentativer Fähigkeiten im Philosophie- und Ethikunterricht
  • 16:15-17:15: Dominik Balg
    Gewusst-wie oder Gewusst-wann? Argumentative Metakompetenzen und die Grenzen argumentativer Auseinandersetzungen
  • 17:30-19:00: Andreas Petrik
    Die Argumentationsanalyse als qualitative Methode zur Rekonstruktion der Urteils- und Konfliktlösungskompetenz

Dienstag, 20. September 2022

  • 9:00-10:00: Marie-Luise Raters
    Ethisches Argumentieren im Selbst-Studium?
  • 10:15-11:15: Stefan Descher
    Argumentieren für Literaturinterpretationen: Beobachtungen zur fachwissenschaftlichen Praxis und Überlegungen zur didaktischen Vermittlung
  • 11:30-12:30: Katrin Schultze
    Argumentieren im Englischunterricht
  • Mittagspause
  • 14:00-15:00: Karoline Kucharzyk
    Die Bewertung bewerten? Eine Analysematrix zur Raumbewertung im Fach Geographie für die Oberstufe
  • 15:30-17:00: Sara Rezat
    Schriftliches Argumentieren – Erwerb und Förderung aus deutschdidaktischer Perspektive

Registrierung

Alle Interessierten sind herzlich zur Teilnahme eingeladen und werden gebeten, sich bis zum 1. September per E-Mail an dlanius@uni-mainz.de anzumelden.

Organisation und Dank

Der Workshop wird organisiert von David Löwenstein und mir. Für die großzügige Finanzierung des Workshops im Rahmen des Netzwerks „Argumentieren in der Schule“ danken wir der Deutschen Forschungsgemeinschaft, für die Übernahme von Verpflegungskosten, der Gesellschaft für Analytische Philosophie.

Hier finden Sie das Programm als PDF.

Dürfen Lehrer ihre Meinung sagen?

Diesen Monat erscheint der schöne Band „Dürfen Lehrer ihre Meinung sagen? Demokratische Bildung und die Kontroverse über Kontroversitätsgebote“ von Johannes Drerup, Miguel Zulaica y Mugica und Douglas Yacek. Mit einem kleinen Beitrag zu der Frage „Wie sollten Lehrende mit Fake News und Verschwörungstheorien im Unterricht umgehen?“ bin auch ich vertreten. Ich versuche darin zu zeigen, was Fake News und Verschwörungstheorien sind, was sie unterscheidet, wer daran glaubt, was das Problem dabei ist und schließlich wie man sowohl in der Prävention als auch in der direkten Konfrontation als Lehrkraft damit umgehen kann.

Vom Wort zur Tat?

In dieser MDR-Doku sprechen viele tolle Leute und auch ich über konstruktiven Streit und die “Macht der Sprache”.

DARUM GEHT ES

Die Sprache, unser wichtigstes Mittel der Verständigung, wird zunehmend von Aggressivität geprägt – im Internet, in der Rhetorik rechter Politiker, in Bürgerprotesten auf der Straße, sogar im Bundestag. Seit dem Mord an dem Politiker Walter Lübcke im Juni 2019 ist die Frage nach dem Zusammenhang von Sprache und Gewalt stärker in den Fokus gerückt; eine Frage, die auch die Wissenschaft schon länger beschäftigt. Nach massiven Morddrohungen wurde Walter Lübcke vor seinem Haus erschossen. Erst die Worte, dann die Tat? Fördert die Verrohung der Sprache die Bereitschaft zu realer Gewalt?

SPRACHE ALS WAFFE

Der Film erkundet die Mechanismen und Auswirkungen von aggressiver Sprache auf unser Wahrnehmen und Handeln. Wissenschaftliche Tests im Sprachlabor der FU Berlin unter Leitung des renommierten Neurowissenschaftlers Friedemann Pulvermüller zeigen, wie Sprache im Gehirn verarbeitet wird und dabei unbewusste Handlungsmuster hervorruft. In Karlsruhe analysiert der Sprachphilosoph David Lanius das Parteiprogramm der AfD und schildert die charakteristischen Merkmale der rechten Rhetorik, in Leipzig untersucht die junge Sprachwissenschaftlerin Nancy Grochol die Sprachbilder in den Reden rechter Politiker Wort für Wort, ergänzt durch animierte Illustrationen dieser sprachlichen Bilder.

DIE SPRACHLICHE VERROHUNG ZEIGT SICH MASSIV IM INTERNET.

Hatespeech ist zu einem ernsten, die Demokratie gefährdenden Problem geworden. Staatsanwalt Christoph Hebbecker von der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime in Nordrhein-Westfalen ermittelt gegen die Verfasser von Hass und Hetze, gegen Aufrufe zur Gewalt – immer auf dem schmalen Grat zwischen Meinungsfreiheit und Strafbarkeit. Hebbecker beklagt, dass er nur einen Bruchteil der strafrechtlich relevanten Inhalte im Netz ermitteln kann, weil die Betreiber großer Internetplattformen nur unzureichend Daten weitergeben. Der Staatsanwalt sieht einen erheblichen Verbesserungsbedarf für Hatespeech-Strafverfolger wie ihn. Immerhin – auch die Regierung hat das Problem erkannt und ein neues Gesetz gegen Hatespeech auf den Weg gebracht, das die Behörden nach und nach mit mehr Kompetenzen ausstatten soll.

HATESPEECH, MORDDROHUNGEN UND GEWALT

Auch der Blogger und Autor Schlecky Silberstein erhält auf seine ironisch-satirischen Videoclips regelmäßig Morddrohungen. Silberstein fragt sich, woher dieser Hass kommt und schildert die Mechanismen, die im Internet zum Sinken von Anstand und Respekt führen – bei Usern ganz unterschiedlicher Couleur. So werden auch AfD-Politiker oft zum Opfer verbaler Gewalt. Anonymität und Kostenfreiheit im Netz machen es den Verfassern von Hassbotschaften zu leicht, sagt Silberstein. Die Gesetze müssen dringend angepasst werden, lautet auch sein Fazit.

MIT ANDERSDENKENDEN REDEN!

In Dresden begleitet der Film zwei Rentner, die an der Initiative „Deutschland spricht“ teilnehmen. Das von der ZEIT ins Leben gerufene Projekt fördert die Bereitschaft, mit Andersdenkenden ins Gespräch zu kommen und ihre Meinung zu akzeptieren. Jeder Einzelne kann so auch persönlich für ein friedlicheres Miteinander sorgen – wenn er die Sprache nicht als Kampf versteht, in dem es um Sieg oder Niederlage geht, sondern um Kompromisse und Respekt.

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