David Lanius

Debattieren auf Englisch als Ansatz für mehr Demokratie und Teilhabe in der Schule

Nicht erst seit Erstarken der Verschwörungserzählungen und sog. Querdenker im Zuge der Coronapandemie ist deutlich, dass der gesellschaftliche Konsens über die Grundwerte, die unsere Demokratie tragen, nicht von allen Menschen geteilt wird. Rechtsextremes, völkisches und radikalreligiöses Gedankengut und Handeln findet eine besorgniserregende Verbreitung – im Internet und in der analogen Öffentlichkeit. Diese Tendenzen in allen Teilen der Gesellschaft spiegeln sich auch im Raum Schule.

Schule muss darauf reagieren und tut es auch: Nicht umsonst formuliert das Berliner Schulgesetz den demokratiefördernden Auftrag von Schule, Schüler:innen zu befähigen, „das staatliche und gesellschaftliche Leben auf der Grundlage der Demokratie (…) zu gestalten“ (§1 Berliner Schulgesetz), an allererster Stelle. In der Praxis bedeutet dies, dass die Schüler:innen im Politikunterricht, aber auch in vielen weiteren Fächern, u. A. dem Fremdsprachenunterricht, lernen, was Demokratie und demokratisches Handeln bedeuten.

Der Argumentations- und Urteilskompetenz von Schüler:innen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Zu kontroversen Themen einen Standpunkt entwickeln und für diesen eintreten zu können, ist eine Kernkompetenz, auf die nicht nur unsere Gesellschaft als Ganzes, sondern auch jede:r Heranwachsende für sich angewiesen ist. Gerade das Debattieren in der Lingua franca und Brückensprache Englisch erscheint in Zeiten zunehmender Globalisierung und Mehrsprachigkeit als wichtige Zukunftsressource und Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, insbesondere in multikulturellen und vielsprachigen Metropolen wie Berlin.

Im Rahmen dieser Fortbildungsreihe gebe ich einen Vortrag zur Förderung von Argumentations- und Urteilskompetenz durch Debattieren im Unterricht.

Anmeldung und mehr Informationen zur Veranstaltungsreihe hier:

Argumentieren in der Schule: Fächerübergreifende Perspektiven

Das Netzwerk „Argumentieren in der Schule“ richtet auch im Rahmen seines driiten Arbeitstreffens einen öffentlichen Workshop aus, der unter dem Titel „Fachdidaktik des Argumentierens: Fächerübergreifende Perspektiven“ am 19. und 20. September 2022 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz stattfindet.

Das Formulieren, Analysieren und Bewerten von Argumenten steht als Kernkompetenz freier und kritischer Bürger*innen zurecht im Zentrum der Bildungsziele von Universitäten und Schulen. Diese Kompetenzen haben einen wesentlichen Anteil an dem im „Dresdener Konsens“ formulierten Ziel der Stärkung einer ganzheitlich verstandenen Urteilskraft. Die Philosophie steht dabei in einer besonderen Verantwortung, solche argumentativen Kompetenzen zu fördern, da sie die systematische kritische Reflexion des Begründens und Argumentierens, die Argumentationstheorie, beinhaltet. Doch zugleich ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Fächern und Fachdidaktiken erforderlich, um das Argumentieren in der Schule breit und nachhaltig zu stärken.

Programm

Der anstehende Workshop wird ausgehend vom Philosophie- und Ethikunterricht das Argumentieren als ein fächerübergreifendes Kompetenz- und Themenfeld in den Fokus nehmen. In zwei Keynote-Vorträgen werden Prof. Dr. Sara Rezat (Paderborn) Perspektiven aus der Fachdidaktik des Deutschunterrichts und Prof. Dr. Andreas Petrik (Halle) Perspektiven aus der Politikdidaktik einbringen. Der Workshop richtet sich an alle, die sich für das Argumentieren in der Schule interessieren, von Lehrpersonen an Schulen bis zu Lehrenden und Forschenden in der Fachdidaktik oder der Argumentationstheorie.

Montag, 19. September 2022

  • ab 14:30: Informelles Zusammenkommen
  • 15:00-16:00: Anne Burkard
    Ein Fortbildungskonzept mit Begleitforschung zur Förderung argumentativer Fähigkeiten im Philosophie- und Ethikunterricht
  • 16:15-17:15: Dominik Balg
    Gewusst-wie oder Gewusst-wann? Argumentative Metakompetenzen und die Grenzen argumentativer Auseinandersetzungen
  • 17:30-19:00: Andreas Petrik
    Die Argumentationsanalyse als qualitative Methode zur Rekonstruktion der Urteils- und Konfliktlösungskompetenz

Dienstag, 20. September 2022

  • 9:00-10:00: Marie-Luise Raters
    Ethisches Argumentieren im Selbst-Studium?
  • 10:15-11:15: Stefan Descher
    Argumentieren für Literaturinterpretationen: Beobachtungen zur fachwissenschaftlichen Praxis und Überlegungen zur didaktischen Vermittlung
  • 11:30-12:30: Katrin Schultze
    Argumentieren im Englischunterricht
  • Mittagspause
  • 14:00-15:00: Karoline Kucharzyk
    Die Bewertung bewerten? Eine Analysematrix zur Raumbewertung im Fach Geographie für die Oberstufe
  • 15:30-17:00: Sara Rezat
    Schriftliches Argumentieren – Erwerb und Förderung aus deutschdidaktischer Perspektive

Registrierung

Alle Interessierten sind herzlich zur Teilnahme eingeladen und werden gebeten, sich bis zum 1. September per E-Mail an dlanius@uni-mainz.de anzumelden.

Organisation und Dank

Der Workshop wird organisiert von David Löwenstein und mir. Für die großzügige Finanzierung des Workshops im Rahmen des Netzwerks „Argumentieren in der Schule“ danken wir der Deutschen Forschungsgemeinschaft, für die Übernahme von Verpflegungskosten, der Gesellschaft für Analytische Philosophie.

Hier finden Sie das Programm als PDF.

Fake News mit demokratiezersetzender Wirkung

Das Phänomen „Fake News“ und seine Auswirkungen auf demokratische Entscheidungsprozesse wird spätestens seit der US-Präsidentschaftswahl 2016 und dem Brexit-Referendum breit diskutiert. Der Philosoph und Streitforscher David Lanius hat sich eingehend mit „Fake News“ beschäftigt. Lydia Skrabania vom Diesseits-Magazin hat mit ihm über ihre probematische Rolle in den sozialen Medien und ihren Einfluss auf die Politik gesprochen – und darüber, was wir Fake News entgegensetzen können.

Herr Lanius, wir müssen zunächst mal klären, was „Fake News“ eigentlich sind. Oft werden mit diesem Begriff ja ganz unterschiedliche Dinge bezeichnet.

Ja, meiner Kollegin Romy Jaster und mir war das vor einigen Jahren auch aufgefallen. Daraufhin haben wir uns diesem Problem angenommen und eine ordentliche Begriffsbestimmung vorgenommen. Wir haben uns viele mögliche Definitionen angeschaut und sind die verschiedenen Fälle durchgegangen, die als Fake News erfasst werden sollten – und auch Fälle, die eben nicht als Fake News erfasst werden sollten, z.B. Satire oder journalistische Fehler oder auch Verschwörungstheorien. Das lässt sich nur klar differenzieren, wenn man eine Definition von „Fake News“ hat. Und die haben wir entwickelt.

[…]

Der Rest des Interviews kann in der aktuellen Ausgabe des Diesseits-Magazins oder auf dem Blog des Forum für Streitkultur nachgelesen werden.

Vom Wort zur Tat?

In dieser MDR-Doku sprechen viele tolle Leute und auch ich über konstruktiven Streit und die “Macht der Sprache”.

DARUM GEHT ES

Die Sprache, unser wichtigstes Mittel der Verständigung, wird zunehmend von Aggressivität geprägt – im Internet, in der Rhetorik rechter Politiker, in Bürgerprotesten auf der Straße, sogar im Bundestag. Seit dem Mord an dem Politiker Walter Lübcke im Juni 2019 ist die Frage nach dem Zusammenhang von Sprache und Gewalt stärker in den Fokus gerückt; eine Frage, die auch die Wissenschaft schon länger beschäftigt. Nach massiven Morddrohungen wurde Walter Lübcke vor seinem Haus erschossen. Erst die Worte, dann die Tat? Fördert die Verrohung der Sprache die Bereitschaft zu realer Gewalt?

SPRACHE ALS WAFFE

Der Film erkundet die Mechanismen und Auswirkungen von aggressiver Sprache auf unser Wahrnehmen und Handeln. Wissenschaftliche Tests im Sprachlabor der FU Berlin unter Leitung des renommierten Neurowissenschaftlers Friedemann Pulvermüller zeigen, wie Sprache im Gehirn verarbeitet wird und dabei unbewusste Handlungsmuster hervorruft. In Karlsruhe analysiert der Sprachphilosoph David Lanius das Parteiprogramm der AfD und schildert die charakteristischen Merkmale der rechten Rhetorik, in Leipzig untersucht die junge Sprachwissenschaftlerin Nancy Grochol die Sprachbilder in den Reden rechter Politiker Wort für Wort, ergänzt durch animierte Illustrationen dieser sprachlichen Bilder.

DIE SPRACHLICHE VERROHUNG ZEIGT SICH MASSIV IM INTERNET.

Hatespeech ist zu einem ernsten, die Demokratie gefährdenden Problem geworden. Staatsanwalt Christoph Hebbecker von der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime in Nordrhein-Westfalen ermittelt gegen die Verfasser von Hass und Hetze, gegen Aufrufe zur Gewalt – immer auf dem schmalen Grat zwischen Meinungsfreiheit und Strafbarkeit. Hebbecker beklagt, dass er nur einen Bruchteil der strafrechtlich relevanten Inhalte im Netz ermitteln kann, weil die Betreiber großer Internetplattformen nur unzureichend Daten weitergeben. Der Staatsanwalt sieht einen erheblichen Verbesserungsbedarf für Hatespeech-Strafverfolger wie ihn. Immerhin – auch die Regierung hat das Problem erkannt und ein neues Gesetz gegen Hatespeech auf den Weg gebracht, das die Behörden nach und nach mit mehr Kompetenzen ausstatten soll.

HATESPEECH, MORDDROHUNGEN UND GEWALT

Auch der Blogger und Autor Schlecky Silberstein erhält auf seine ironisch-satirischen Videoclips regelmäßig Morddrohungen. Silberstein fragt sich, woher dieser Hass kommt und schildert die Mechanismen, die im Internet zum Sinken von Anstand und Respekt führen – bei Usern ganz unterschiedlicher Couleur. So werden auch AfD-Politiker oft zum Opfer verbaler Gewalt. Anonymität und Kostenfreiheit im Netz machen es den Verfassern von Hassbotschaften zu leicht, sagt Silberstein. Die Gesetze müssen dringend angepasst werden, lautet auch sein Fazit.

MIT ANDERSDENKENDEN REDEN!

In Dresden begleitet der Film zwei Rentner, die an der Initiative „Deutschland spricht“ teilnehmen. Das von der ZEIT ins Leben gerufene Projekt fördert die Bereitschaft, mit Andersdenkenden ins Gespräch zu kommen und ihre Meinung zu akzeptieren. Jeder Einzelne kann so auch persönlich für ein friedlicheres Miteinander sorgen – wenn er die Sprache nicht als Kampf versteht, in dem es um Sieg oder Niederlage geht, sondern um Kompromisse und Respekt.

Wie man politische Diskussionen in der Familie führt

Jetzt, das Magazin der Süddeutschen Zeitung, hat mit mir darüber gesprochen, wie man mit damit umgeht, wenn Familienmitglieder komplett unterschiedliche politische Positionen vertreten, und ob man Meinungsverschiedenheiten offen ausdiskutieren oder sie der familiären Harmonie zuliebe lieber ignorieren sollte. Meine Antwort natürlich: Konstruktiv Streiten!

Was das heißt? Die Essenz des Beitrags in fünf Punkten

  • Unstimmigkeiten früh genug ansprechen, um spätere emotionale Eskalationen zu vermeiden. Schon vor dem Gespräch überlegen, was man genau sagen will. 
  • Erst einmal vorurteilsfrei zuhören, echtes Interesse signalisieren, den Gesprächspartner ernst nehmen. 
  • Bei inhaltlichen Streitpunkten ruhig und sachlich argumentieren, reflektiert antworten, emotionale Ausbrüche vermeiden.
  • Um eine Diskussion zu beenden, die Aufmerksamkeit wieder auf Gemeinsamkeiten lenken oder die Situation durch einen Witz auflockern. 
  • Politische Konflikte nicht auf die zwischenmenschliche Beziehung übertragen.

Den vollständigen Beitrag gibt es hier zu lesen.

Meinungsfreiheit und die kommunikative Strategie der Rechtspopulisten

In einem Beitrag zu dem Band “Was darf man sagen? Meinungsfreiheit in Zeiten des Populismus” von Tanjev Schultz (erschienen im Kohlhammer Verlag) versuche ich die Frage zu beantworten, was Menschen in der öffentlichen Debatte meinen, wenn sie behaupten, dass Meinungen nicht frei geäußert werden können – und darauf aufbauend zu klären, welche Rolle die Vorwürfe von „Zensur“, „Meinungsdiktatur“ und „Gesinnungsterror“ in der Kommunikation der AfD spielen.

Was heißt es überhaupt, wenn behauptet wird, dass die Meinungsfreiheit bedroht ist? Was bedeutet es, wenn der Vorwurf gemacht wird, dass Zensur wieder stattfindet? Gibt es eine kommunikative Strategie der AfD, in der solche Vorwürfe eine wesentliche Rolle spielen? Diese Fragen erfordern Antworten – nicht, weil Vertreterinnen und Vertreter der AfD diese Vorwürfe äußern, sondern weil sich die öffentliche Meinung offenbar nicht im Klaren darüber ist, wie sie lauten.

All dies und mehr kann man ab heute in dem Band “Was darf man sagen? Meinungsfreiheit in Zeiten des Populismus” nachlesen..

Die Corona-Krise und ihre Folgen

Mit dem Präsidenten der Gesellschaft für Utilitarismus-Studien, Christoph Schmidt-Petri, habe ich einen Artikel über die Corona-Krise und ihre Folgen in der Neuen Zürcher Zeitung veröffentlicht:

Und was ist mit den Folgen der Krise? Die gängige Ethik bedenkt sie zu wenig

Es wäre falsch, nur die gerade jetzt bedrohten Menschenleben zu zählen. In der Corona-Krise müssen dringend die Konsequenzen der Massnahmen abgeschätzt werden. Dazu braucht es die utilitaristische Moraltheorie.

Mediating Machines

The research project “Mediating Machines” on the role of Artificial Intelligence in mediation has now officially started.

It is conducted by researchers at the Centre on Conflict, Development and Peacebuilding (CCDP), Graduate Institute of International Development Studies, Geneva (IHEID), the Karlsruhe Institute of Technology (KIT), the Fraunhofer Institute of Optronics, System Technologies and Image Exploitation (IOSB), Universität Düsseldorf and SwissPeace and funded by the Artificial Intelligence and the Society of the Future Initiative of the Volkswagen Foundation.

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